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17.10.2016 12:23 Alter: 2 yrs

Treue Kunden werden bestraft

FAHRGASTBEIRAT IM VBN KRITISIERT ERNEUTE TARIFERHÖHUNG ZUM 01.01.2017


Bremen. Der Fahrgastbeirat kritisiert diese "Selbstbedienungs-Mentalität", weil den Preiserhöhungen keine konkrete Leistungsverbesserung für jeden Fahrgast gegenübersteht. Wie üblich werden die treuesten Kunden mit Zeitkarten stärker zur Kasse gebeten als andere Fahrgäste.

Die Tarifanpassung zum 01.01.2017 stand auf der Tagesordnung der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN), die am 28.09.2016 in Bremerhaven
stattfand. Die Vertreter der Landkreise und Städte haben den Vorschlägen des VBN zugestimmt.

Der Fahrgastbeirat fordert mehr Transparenz hinsichtlich der Grundlagen für die Preiserhöhungen. Es geht aus den Vorlagen nicht hervor, wie sich die Kosten im VBN entwickelt haben und wie die Einschätzungen für die Zukunft aussehen.

"Die Preiserhöhung für mein Monats-Ticket beträgt über 3 Prozent", beklagt sich Corinna Hagedorn als Sprecherin des ehrenamtlichen Gremiums. "Ich ärgere mich zum wiederholten Mal, weil die treuesten Kunden erneut am stärksten bestraft werden! Und wenn ich dann noch berücksichtige, wie sich die Leistung der Verkehrsunternehmen in den letzten Monaten verschlechtert hat, dann ist das Maß voll."

Im zurückliegenden Jahr sind insbesondere von der NordWestBahn und der BSAG Leistungen wegen technischer Probleme oder Personalmangel nicht im vollen Umfang oder geringerer Qualität erbracht worden.

"Will man uns treue Kunden nicht mehr? Seit Jahren ärgere ich mich über eine nicht funktionierende Echtzeit-Information des VBN und genau dafür soll ich auch noch mehr zahlen? Für mich ist inzwischen sehr häufig das Auto das verlässlichere und bessere Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu gelangen! Mein Arbeitgeber hat kein Verständnis, wenn ich immer wieder wegen der NordWestBahn zu spät zur Arbeit komme", entrüstet sich Frau Hagedorn.

Der VBN vermarktet die zentrale Datenplattform des Echtzeitsystems inzwischen erfolgreich und nimmt dadurch von anderen Verkehrsverbünden Lizenzgebühren ein. Die Integration der unterschiedlichen Betriebsleitsysteme und die Qualität der übertragenen Informationen bereitet jedoch noch eklatante Probleme. Vor allem die Systeme der Bahnunternehmen lassen noch zu wünschen übrig.

"Wir hätten für 2017 mindestens eine Nullrunde erwartet, denn das Argument HÖHERE ENERGIEKOSTEN zieht nicht – im Gegenteil, die Energiepreise sind sogar gesunken! Wenn man dann auch noch berücksichtigt, dass in 2016 bisher 3,5% mehr Fahrgäste eine Einnahmeplus von 6,4% erbracht haben, dann ist das System schon aus dem Gleichgewicht!", pflichtet Frau Schönewald bei.

"Die Fahrpreise und die Tarifstruktur an sich schreckt die möglichen Nutzer ab. Regionale Sonderlösungen, die Einteilung der Tarifzonen sowie das unterschiedlich ausgeprägte ÖPNV-Angebot vor Ort führen zu Ungleichgewichten", gibt Ingo Ostermann zu bedenken. "Die Kunden sind wegen Zugausfällen, ausgedünnten Fahrplänen und Busersatzverkehren gefrustet und die Bereitschaft, mehr für eine Monatskarte zu bezahlen oder ab und an den ÖPNV zu nutzen droht zu schwinden".

Der Fahrgastbeirat wird weiterhin für eine Nullrunde werben und sich für eine attraktivere und leicht verständliche Tarifstruktur einsetzen. Eine Forderung, der sich die Kommunen und Landkreise anschließen sollten, weil dem ÖPNV in Zukunft mehr Bedeutung zukommen muss als es aktuell der Fall
ist.